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Da jagte eine Pointe die nächste

Zwei ausverkaufte Vorstellungen des Reischacher "Gaudipodestls" – Vielseitige Unterhaltung
Prunkvollen Einzug im Reischacher Hof hält hier mit ihrem Hofstaat die "Holzlandregentin Reischachia I.".
Prunkvollen Einzug im Reischacher Hof hält hier mit ihrem Hofstaat die "Holzlandregentin Reischachia I.".
Heilloses, doch geordnetes und systematisches Chaos: Mitglieder des Frauenbundes stellen diverse Traumberufe vor. −Fotos: hok
Heilloses, doch geordnetes und systematisches Chaos: Mitglieder des Frauenbundes stellen diverse Traumberufe vor. −Fotos: hok

Reischach. Ein dreieinhalbstündiges amüsantes Feuerwerk an Kabarett, Sketchen und Tanzeinlagen haben die Besucher des "9. Reischacher Gaudipodestls" am Samstag und am Rosenmontag erlebt. Der Saal des Reischacher Hofs war jeweils bis auf den letzten Platz ausverkauft und das "Gaudipodest-Team" unter der Regie von Ursel Müller zog alle Register, um die Besucher zu Lachsalven hinzureißen. Aufs Korn genommen wurden vor allem die Gemeindepolitik, aber auch der neue EDEKA-Markt und manch andere Einrichtungen.

Große Aufregung herrschte auf der Bühne, als der mittelalterlich gekleidete Hofstaat die Ankunft der Holzlandkönigin "Mama Reischachia I." erwartete. Nachdem diese unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarsches eingezogen war, begrüßte sie das Narrenvolk von Reischach. Ihr Reich erstrecke sich, so die Regentin, auch über die "tanzenden Arbinger", die zeitweise ohne Geldautomat auskommenden Peracher, sowie die auf Grund ihrer neuen Schule bald ihren Namen tanzenden Erlbacher. Sie kritisierte die Notaufnahme im Altöttinger Krankenhaus, wo es nur noch ausländische Ärzte und lange Wartezeiten gibt.

Ein Notfall in der Arztpraxis wird hier dargestellt.
Ein Notfall in der Arztpraxis wird hier dargestellt.

Fußballer des TSV Reischach"schlagen bestimmt keinen!""Nehmt die abgeschnittenen Finger wieder mit und lasst sie von Eurem Hausarzt wieder annähen, das geht sicher schneller – Donnerstag wäre der beste Termin" rät sie. Ein Lob sprach sie Bürgermeister Alfred Stockner aus, der das ganze Dorf umbauen will. Einem Scheidungskind, das immer von Vater und Mutter geschlagen wurde, rät sie hintersinnig zu den Fußballern des TSV Reischach zu gehen: "Die schlagen bestimmt keinen!"

Vom Wirtshausbesuch versucht Appolonia ihren Seppi abzuhalten – eine Augenweide sind sie beide!
Vom Wirtshausbesuch versucht Appolonia ihren Seppi abzuhalten – eine Augenweide sind sie beide!

Auf die Radtour nach Ungarn zurückblickend, stellte sie fest, dass die meisten mit "offenen Hintern und geschädigter Leber" heimgekommen sind. Bewerber für das neue Baugebiet sollten erst mal dort zelten, um sich an die Landluft zu gewöhnen, rät die Holzlandregentin.

Zu einem täglichen Infotreff ab 10 Uhr hat sich das "Cafe Bruckmaier" etabliert. Eine Gruppe von Rentnern zeigte diese "Männergespräche" mit diversen Neuigkeiten und derben Witzen, während sich zwei Joggerinnen über ihr früheres Liebesleben im engen VW-Käfer austauschten. Ein großes Kreuz haben sie mit ihren Männern, die frisch in der Rente sind und trotz großer Vorsätze unbeholfen seien wie Kinder. Zum unterschiedlichen Kaufverhalten von Mann und Frau wurde festgestellt: "Der Mann braucht was, geht ins Geschäft, findet nichts und kommt leer heraus. Die Frau hingegen braucht nichts, geht ins Geschäft und kommt vollbepackt wieder heraus!"
"Lieber einen Bauch vom Essen als einen Buckel von der Arbeit" belehrte der Schreinermeister seinen Lehrling, der Nägel aussortierte, die den Kopf unten haben. "Die können wir trotzdem brauchen, wenn wir eine Holzdecke montieren", so der Meister, der auch behauptet: "Wer beim Essen schwitzt und bei der Arbeit friert, der hat bestimmt studiert!"

"Lieber einen Bauch vom Essen als einen Buckel von der Arbeit!" – Hier belehrt der Schreinermeister seinen Lehrling.
"Lieber einen Bauch vom Essen als einen Buckel von der Arbeit!" – Hier belehrt der Schreinermeister seinen Lehrling.

Eine bewundernswerte Vorstellung boten Mitglieder des Frauenbundes: "Wenn i net auf der Bühne stand, was tat i nachad sein?" Hochkonzentriert und gestenreich erläuterte die Erste ihren Berufswunsch als Polizistin. Dazu gesellten sich eine Sportlerin, Malerin, Schreinerin, Waschfrau, Ballerina, Nonne und Boxerin. Zeitgleich redeten und gestikulierten sie zu ihrem Beruf. Was nach heillosem Durcheinander aussah, war in Wirklichkeit höchste Perfektion und Konzentration, vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt.

Ein angeheiterter, frustrierter Schutzengel beschwert sich massiv bei seinem Vorgesetzten.
Ein angeheiterter, frustrierter Schutzengel beschwert sich massiv bei seinem Vorgesetzten.

In einem Sketch beschwerte sich ein angeheiterter, frustrierter Schutzengel massiv bei seiner Vorgesetzten über zu wenig Personal und auch zwei Teufelchen klagten ihr Leid. Appolonia versucht derweil, ihren Seppi vom Wirtshaus fern zu halten. Die Frauenquote sollte erfüllt werden, doch Männer wären hierbei auch nicht schlecht, stellten zwei Damen vom BRK Reischach bei der Straßenreinigung fest. Eine Erkenntnis des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" sei, dass "flotte Bienen gut für das männliche Auge sind", stellten zwei junge Imkerinnen fest.

Dichtes Gedränge herrscht vor der Kasse beim neuen EDEKA-Markt!
Dichtes Gedränge herrscht vor der Kasse beim neuen EDEKA-Markt!

An der Poststelle: Wehe, man ist nicht pünktlich!Für viel Heiterkeit sorgte die Szene vom neuen EDEKA-Markt. "Die ganze Welt trifft sich beim EDEKA, dort ist es ja auch wunderbar. Am Eingang gibt es Kaffee und Kuchen, hinten tust erfrieren und kannst nur suchen", so das Fazit der Kunden. Auf lustige Weise wurden Probleme an der Kasse dargestellt, wo die Postkunden alles blockieren. Bei dieser Poststelle gelten akribische Öffnungszeiten und es wird die "Türe vor der Nase zugesperrt", wenn man nicht ganz pünktlich ist. Viele Kunden trauern den alten Geschäften nach vom Hofbauer, wo es Pressack wie auch Glühbirnen gab, vom Königsbauer, der Ziegler Rosi und der Stoiber Resi. Bei der Straßer Resi gab es auch Schnaps für 30 Pfennig zum Sofort-Verzehr, im Sonderangebot konnten auch drei für eine Mark gekauft werden.

Eine weitere Szene spielte in einer Arztpraxis: Geknickt war ein Patient, als der Arzt ihm eröffnete, dass er nur noch 20 Liebesnächte zu erwarten habe. Deshalb solle er systematisch eine Liste mit passenden Gelegenheiten anfertigen. Seine Frau fiel in Ohnmacht, als sie feststellte, dass sie selber nicht auf der Liste stand. Auch Bürgermeister Alfred Stockner bedurfte der Hilfe des Hausarztes wegen seiner Unruhe und Nervosität. Er verriet dem Arzt seine Vision von Reischachs Zukunft: "Eine Stadt auf vier Hügeln, ostbayerischer Verkehrsknotenpunkt, Industrieanlagen, Radrennbahn und ein "Alfred-Tunnel" vom Fuchsbeg bis zu der Brandmühle". "Reischach first – das wird wunderbar!", so der Traum des Bürgermeisters.

Auch der Schützenverein befasste sich mit der Gemeindepolitik: mit einem Quiz sollte unter den drei Bürgermeistern der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft ermittelt werden. Dabei nahmen sie die Freie Schule Erlbach und den SV Erlbach, ebenso wie das Peracher Wirtshaus und den "zugeschissenen Badesee" auf die Schippe. In dem ehemaligen "Nickel-Markt" solle ein Schlachthof, ein Wirtshaus mit Brauerei, ein Schlaflabor, ein Irrenhaus und ein Zirkus untergebracht werden, weil dafür jeweils Bedarf bestehe.

Vier Rentner philosophieren im warmen WasserEinen Badetag im heißen Wasser von Bad Birnbach legten vier Rentner ein. Dabei philosophierten sie über die Heilkraft des Wassers. Dieses löst jedes Leiden, alles wird gut, auch das Wasserlassen geht wieder bestens, stellte einer von ihnen fest. Leider gibt es derzeit in Reischach keine interessante Baustelle, seit die Raiffeisenbank fertiggestellt ist. Sie freuen sich schon, wenn das Kirchenbrückerl gebaut wird. Hierzu muss die Statik allerdings so ausgelegt werden, dass Altbürgermeister Herbert Vilsmaier und Pfarrer Ludwig Samereier die Brücke gleichzeitig betreten können.

Ein deftiges Männerballett führte die Feuerwehr zum Abschluss vor: Als Bienen, Schildkröten, Wikinger, Seniorenheimbewohner und Bauarbeiter versuchten sie, sich graziös zu bewegen, was viel Heiterkeit auslöste. Sie konnten sich ein Beispiel nehmen an der Kindertanzgruppe, die zuvor mit viel Schwung und Elan die Gäste beeindruckt hatte. Auch eine Schreinertruppe wartete mit einem Ballett auf und ein "Fußtanz" erheiterte die Gäste.

Konrad Hochhäusl

 

(ANA vom 5.3.2019)